
Leider kommt unser Vermieter etwas spät zum Platz. Schnell machen wir aus, dass wir in 3 Tagen nach Ueckermünde paddeln wollen. Das kostets uns 30€ pro Tag und 70€ für den Transport des Bootes zurück. Aber das heißt auch für uns heute 26km fahren. Aber noch stellen wir uns die Tour recht leicht vor. Schließlich gilt sie als familienfreundlicher Geheimtip. Mit Kleintransporter und Bootsanhänger bringt er uns an den Stadtrand zur Einsatzstelle. Schnell ist unser Zeug im Boot verstaut. Es ist aber klar, dass wir sehr schwer sind und das Ding nicht so einfach umtragen werden können. Aber wir haben ja auch einen kleinen Bootswagen mitbekommen.

Die ersten 15km schlängeln wir uns durch die schmale stark bewachsene Ucker. Das ist technisch ein wenig anstrengend und manchmal verhedern wir uns mit den Paddeln in den Wasserpflanzen. Die Strömung hilft.

Wir fahren ohne Steuer, weil es bei diesem Bewuchs schell kaputt gehen kann. Wir begegnen keinen weiteren Paddler*innen oder anderen Flussbenutzer*innen.

Das sollte (fast) die nächsten Tage so bleiben. Im leichten Nieselregen erreichen wir Nieden. Das Wehr umtragen wir mit Hilfe des Wagens relativ einfach. Es gibt Würstchen und Käse im Stehen, weil wir keine trockene Sitzgelegenheit finden. Das ist aber nicht schlimm, weil uns schon der Hintern vom Bootssitz weh tut.

Hinter dem Wehr passierten wir die Landesgrenze und die Ucker heißt ab hier Uecker. Nun sind es nur noch ca. 10km bis Pasewalk. Wir dachten, wir hätten den schwierigsten Teil unserer Tour hinter uns. Aber nach wenigen Kilometern wurden wir belehrt. Vor dem nächsten Wehr war eine Krautsperre aufgebaut. Das ist eine Metallkette auf die dicke Rohre aufgefädelt sind. Dadurch wird Schilf und anderes Material aufgestaut und kann abgeräumt werden. Das geschieht aber nicht immer.

Die Böschung war so steil, dass wir unser Boot nicht umtragen konnten. Also versuchten wir es durch das Kraut zu treideln. Das ging ganz gut, bis wir an die Kette kamen. Da musste das Boot druter durch. Beim Versuch die Kette vom Ufer aus mit dem Paddel zu heben verbog Birgit ihr Gerät und hatte die folgenden tage ein krummes Paddel. Irgendwie schafften wir das Bott auf die andere Seite und weiter gings.
Ungefähr 5km vor Paswalk wurden wir per Schild und Sperre aufgefordert in eienm Seitenarm der Uecker zu weckseln. Es begann eine kurvenreiche Strecke. An sich ganz schön. Aber hinter der zweiten Biegung türmeten sich plötzlich Schilf- und Pflanzenreste über die gesamte Breite des Flusses auf. Dieser Teppich war bestimmt 50m lang. Überrascht, aber entschlossen fuhren wir direkt hinein. Nach wenigen Metern stand unser Boot, eingeschlossen von Pflanzenresten. Mit kräftigen gemeisamen Paddelschglägen versuchten wir uns zu befreien. Kein Vorwärtskommen. Ich versuchte es mit staken. Das funktionierte auch nicht. Im Gegenteil ich haute mir noch einen zentimeterlangen Strohhaslm in den Handballen. Birgit entdeckte am linken Flussrand so etwas wie eine Schneise. Zentimeterweise arbeiteten wir uns die ca. 10m zurück zum offenen Wasser.

Von dort starteten wir mit Karacho einen neuen Versuch. Das erwies sich als hilfreich. Wir kammen erstmal ein paar Meter rein und dann konnten wir uns am schilfigen Ufer mit den Paddeln besser abstoßen. Aber auch hier ging es nur sehr langsam und sehr kraftaufwendig voran. Aber wir waren erfolgreich.Hinter der übernächsten Kurve kam die nächste Barriere. 4-5 solcher Krautteppiche mussten wir in den folgenden 3 km auf dem Seitenarm noch überwinden. Und manches mal sah ich uns im Schlick übernachten. Wer weiß schon, wann hier ein Mensch mal vorbeikommt um uns zu retten. Kurz vor Pasewalk sahen wir den empfohlenen Wasserwanderrastplatz, als wir in eine nächste Krautsperre fuhren. Zu spät sahen wir die Metallkette mit Rohren am Ende des Teppichs. Sie war unüberwindbar. Also zurück, was uns wieder viel Kraft am Ende des Tages kostete. Glücklicherweise gab es einige hundert Meter davor eine Anlandeplattform. Hier konnten wir unser Boot aus dem Wasser holen und mit letzter Kraft und Bootswagen die restlichen 300m zum Wasserwanderrastplatz überwinden.

Ein mitleidiger älterer Herr empfing uns. Auf einem schönen leeren Platz (später kam noch ein Radwanderpärchen) mit kleinen Obstbäumen, Dusche und Küche bauten wir unser Zelt auf. Wir verloren nicht viel Zeit und gingen in die nahe trostlose Innenstadt. Dort im überteuerten Restaurant, gabs Schnitzel und eine Miniportion Nudeln. Erschöpft und mit schmerzenden Schultern hauten wir uns auf die Matte. .
