08.09.2026 / Tirana

Was für ein Tag!

Nach einer unruhigen Nacht gab’s Frühstück vom Markt (Käse, Avocado, Tomaten). Dann machten wir uns auf den Weg die Sehenswürdigkeiten Tiranas abzuklappern.

Aber erstmal Geld holen. Wir suchten einige Geldautomaten auf, um herauszufinden, wo wir am günstigsten abheben können. Aber alle mit kompliziertem Menü und manchmal unverständlich. Manchmal blendete auch die Sonne so, dass kaum was zu erkennen war. An einem Automaten war das noch besonders stressig, weil eine Putzfrau zwischen unseren Beinen herumwischte. Wir brachen den Vorgang ab und gingen zum daneben liegenden Automaten. Plötzlich stand die Frau neben uns und hatte ein Geldbündel, was sie mir in die Hand drückte. Sie sprach nur albanisch. Wir dachten sie will Geld tauschen und ich lehnte ab, gab das Geld zurück. Wir beschäftigten uns weiter mit dem neuen Automaten. Auch hier brachen wir den Vorgang ab. Wir standen noch kurz davor, als plötzlich Geld aus dem Schlitz kam. Jetzt begann ich zu begreifen. Ein Blick in die DKB App zeigte mir: Wir hatten gerade zwei Mal 300€ abgehoben. Wir schauten uns um. Die Frau war weg.

Das hat uns natürlich eine Weile beschäftigt und wir haben spekuliert, ob das alles nur unserer senilen Dödeligkeit zu verdanken war oder ob wir Opfer eines Tricks wurden. Aber was hilft’s.

Wir waren zuerst auf dem zentralen Skanderbeg Platz. Hier stehen das Nationalmuseum mit dem sozialistischen Mosaik.

Gut zu erkennen, dass halbfertige Skanderbeg Gebäude mit seinem Gesicht.

Die kleine Moschee war bis in die 90er Jahre geschlossen. Albanien war das erste atheistische Land weltweit. Jede Religionsausübung war verboten.

Das BunkArt 2 Museum ließen wir aus, weil zu viele Touristen und zu teuer (Wir müssen jetzt Geld sparen). Ein paar hundert Meter weiter steht die „Pyramide“, das ehemalige Envar Hoxha Museum. Heute eine Art Science Lab. Mensch kann es von außen besteigen und hat einen schönen Blick auf die vielen modernen Bankenhochäuser drumherum.

Zum Fußballstadion gehört eines der höchsten Häuser der Stadt.

In einem kleinen Park entdeckten wir das albanische Holocaust Mahnmal. Nur eine jüdische Familie wurde in Albanien umgebracht. Alle anderen Jüdinnen und Juden, einheimische und geflüchtete, wurden versteckt oder ihnen zur Flucht verholfen. 75 albanische „Gerechte unter den Völkern“ werden in Jad Vashem geehrt. Aber auch das ist wahr: Über 200 Juden wurden durch albanische SS Freiwillige im Kosovo ausgeliefert und umgebracht.

In Tirana wird unwahrscheinlich viel gebaut. Auch vor der ehemaligen Residenz von Envar Hodha war der Lärm so stark, dass wir uns in eine kleine Bar retteten. Gezapftes Bier ist hier genauso teuer wie in Berliner Touristenkneipen. Deshalb nur eins (Geld sparen!)

Am Abend suchten wir die Flamingo Revolution . In der Nähe vom Zentrum trafen wir auf ein paar Hundert Menschen mit albanischen Fahnen und Flamingo Schildern. Aus einem Protest gegen ein geplantes Strandresort in einem Naturschutzgebiet, ist eine täglicher Demo geworden, die sich gegen die korrupte Regierung und ihrem Chef Edi Rama wendet.

Die Leute waren ziemlich militant drauf. Schnell bewegte sich die Masse zu einem EdelSUV und umzingelte ihn. Obst, Gemüse und Plasteflaschen flogen. Auch die zur Hilfe eilende Polizei bekam was ab. Aber insgesamt war das Ganze harmloser, als der erste Eindruck vermittelte. Die Polizei verzichtete auf Festnahmen oder Gummiknüppel. Nur Schilder und Helme zum Selbstschutz kamen zum Einsatz. Von der anderen Seite flogen lediglich Plasteflaschen, keine Steine oder schlimmeres.

Ungefähr 1 Stunde beobachteten wir diese Geplänkel. Auch Straßen wurden blockiert. Es blieb aber bei den überschaubaren 200-300 Menschen. Übrigens waren auch ein paar Nazis dabei…

Erst als sich gegen 19.30 eine Polizeikette öffnete, formierte sich der Protestzug, der jetzt schnell anwuchs. Wir sind nicht mehr die ganze Strecke mitgelaufen. Aber es waren jetzt bestimmt einige tausend.

Wir waren dann noch preiswert (ihr wisst warum?) arabisch essen. Kein Bier!

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