
Ein dokumentarisches theaterstück.
Eine schwarze deutsche, ein antifa, ein naziaussteiger, ein mensch der nazis beim aussteigen hilft, eine frau, die seit jahrzehnten nazipropaganda entfernt, eine spd-frau aus dem nsu-untersuchungsausschuss erzählen vom alltäglichen terror und rassistischen wahnsinn. Eigentlich wissen wir das alles – morde, brandanschläge, rassistische pöbeleien … usw, usw
Aber hier gebündelt und durch die eigene erfahrung der akteure erlebbar gemacht. Das ist bedrückend.
Besonders die erlebnisse der schwarzen frau, die den ausschluss aus der deutschen gemeinschaft erfahren muss, beeindrucken. Wer gehört zum „volk“ und will sie überhaupt dazu gehören (nach rostock, mölln und einem progrom in ihrer heimatstadt)?
Das problem sind eben nicht nur die nazis, sondern auch die „normalen“ deutschen.
Der aussteiger erzählt von propagandaauftritten und hausbesuchen bei antifaschist_innen. Ausgestiegen ist er, weil er die gewalt nicht mehr aushielt. Was ist mit seiner faschistischen ideologie?
Fast zum schluss fragt ihn die schwarze deutsche: „was hältst du eigentlich heute von mir?“ Er antwortet mit einer gegenfrage: “ Und was hältst du von mir?“ Er geht ab (arm in arm mit seinem ausstiegshelfer) und sie bleibt allein und fassungslos zurück. Für mich die stärkste szene.
Das ende gehört der nsu – das mördertrio wird durch schauspieler_innen dargestellt. Beängstigend ihre normalität und unauffälligkeit, der erste mord, illegalität und flucht. Die spd frau erzählt von ihren zweifeln an polizei und verfassungschutz. Ich frage mich, wer kann da noch zweifel haben?
Zum schluss noch eine podiumsdiskussion mit den „darstellern“. Hier waren wir erstaunt über die uninformiertheit des publikums.
Das stück wird noch einmal am 5.3. gezeigt. Aber vielleicht gibt es noch andere aufführungen, anderswo. Aber ob das team weiter zusammenarbeiten kann? Wie schwer muss es für einen antifa oder noch mehr für eine betroffen sein, mit einem (wenn auch ehemaligen) nazi zusammenzuarbeiten? Zu wünschen wäre es, weil es so wichtig ist, dass leute dieses stück sehen!