Schon am abend vorher trafen wir uns. Hier bekamen wir fehlenden campingstuff und jede_r einen teil der verpflegung. Wir mussten trail-mix, kartoffeln und marmelade tragen. Das erhöhte das gewicht unserer rucksäcke. Schließlich hatten wir jetzt neben der kleidung, schlafsack und matte, die verpflegung und jede menge wasser zu schleppen.
Unsere wandergruppe bestand aus 20 leuten (davon vier guias). Alle ca. 20 jahre jünger als wir. Das waren 7 amis, 4 holländer_innen, 3 deutsche, 3 tschech_innen, 1 canadierin und 2 ausländer_innen aus guatemala. Gesprochen wurde fließendes englisch – da konnte ich oft nicht mithalten.
Am morgen fuhren wir zunächst mit dem chickenbus ein paar kilometer bergan.

Trotzdem mussten wir dann noch einmal 400 höhenmeter überwinden, um auf insgesamt 3000m zu kommen. Das dauerte mit dem gepäck 2 stunden. Oben liefen wir über eine flache hochebene. Wir kamen durch ein staubiges dorf mit wellblechhütten. Für die kinder waren wir eine attraktion. Sie kamen angelaufen, um uns zu begrüßen und uns auszulachen. Wer kommt schon auf die blöde idee freiwillig gepäck durch die gegend zu schleppen – ohne sinn.

Wenn uns andere wanderer entgegenkamen, hatten sie mehr gepäck als wir. Meistens war es aus holz und die träger waren erheblich jünger als wir. Sie schleppten ihre last mit hilfe eines stirnbandes. Wir haben uns nicht getraut das zu fotografieren.
Ab jetzt ging es bergab, was auch nicht immer leichter war. Aber unsere guides machten alle stunde eine pause mit uns. Die rucksäcke mit der verpflegung wurden leichter, nur unsere noch nicht. Unsere internationale wandergruppe war sehr kommunikativ. Es wurde über die vielfachen reisen erzählt, über ayuveda, joga, haustiere und probleme mit indischen fremdenführern. Wir waren da ein bisschen raus und blieben häufig unter uns beiden. Zeit, um darüber zu philosophieren, warum wir so wenig kommunikativ sind.
Birgit stellte die theorie auf, dass mensch ab 50 nicht mehr so interessant ist, um als gesprächspartner_in zu fungieren. Das erklärt, warum wir nicht angesprochen wurden.
Ich wagte die behauptung, dass in dieser gruppe die aggressive amerikanische version des small talks geübt wurde. Das heißt: innerhalb der ersten 2 minuten des gesprächs wird das gesamte leben abgefragt. Amis halten es nicht aus, wenn es ruhig ist! Dem sind wir nicht gewachsen, wo wir nicht mal den „normalen“ small talk beherrschen. Das erklärt, warum wir keine gespräche begonnen haben. Bei aller dieser theoriserei hatten wir fast unser heutiges ziel erreicht. Allerdings fiel birgit kurz vor dem ziel auf einer steinigen straße hin, zerriss sich ihre hose und hatte ein blutiges knie. Das Mitgefühl der gruppe war ihr auf dem rest der wanderung sicher. Gegen 18.00 erreichten wir santa catarina:

An einer staubigen, traurig-ärmlichen plaza lag die municipalidad. In deren halle durften wir übernachten. Unsere guias bereiteten tee und später nudeln überm campingkocher vor. Wir rollten unsere matten und schlafsäcke aus. Die guides kümmerten sich liebevoll um birgits knie. Hier wird es zeit werbung zu betreiben. Die quetzaltrekkers sind ein projekt zur unterstützung von schulkindern in xela. Sie organisieren kostenpflichtige treks. Das geld geht vollständig in eine schule und ein kinderheim. Die leute arbeiten unentgeldlich.
Später durften wir noch in eine maya-sauna. Ein klitzekleiner holzschuppen mit holzglut. Drinnen konnte mensch nur hocken. Ich kam aber bald ins schwitzen und übergoss mich anschließend mit kaltem wasser. Das reinigte mich von staub und schweiß.
Richtig schlafen konnten wir in dieser nacht nicht, weil der kachelboden viel zu hart war. Außerdem gabs einen lauten schnarcher (ich wars nicht).

Am nächsten morgen gabs frühstück in einer dörflichen cocina. Und wieder gings bergauf. In diesen höhen – über 2000m – wächst fast nur noch mais. Die leute lassen ihn nach der reife stehen, so wird er sehr trocken und hart. Geerntet wird nach bedarf, weiter getrocknet und zur weiterverarbeitung muss der mais erst wieder in wasser geweicht werden.

Der mais kann in vier verschieden farben auftreten, was aber keinen geschmacklichen unterschied macht. Der mais ist natürlich hauptnahrungsmittel. Aus ihm werden die tortillas, tamales und auch getränke gemacht. Die intensive bewirtschaftung des bodens und selbst der steilen hänge, erfordert die abholzung des „cloud forest“. Die erosion ist immens wäscht die wege aus uns lässt die dörfer völlig verstauben. Obwohl in den dörfern lebensmittel zum verkauf angeboten wurden, glauben wir, dass viele indigena fast ausschließlich subsistenzwirtschaft betreiben müssen. Zu ärmlich waren die dörfer und die kleidung der menschen.

An diesem tag ging es auf und ab. Das zehrte ganz schön an unserer kondition und ließ die fußblasen wachsen. Zum ende des tages wechselten wir unsere wanderschuhe gegen sandalen und überquerten mehrfach den fluss. Eine wohltat für unsere füße, aber sehr rutschig.

Am abend übernachteten wir in dem haus einer familie. Es gab über dem feuer gegrilltes huhn und gemüse. Wir fingen sogar ein paar bier in einer kleinen tienda. Die nacht war noch härter und stickiger als davor. Um vier uhr wurden wir geweckt. Nochmal ging es ein paar meter bergan. Wir lagerten auf einer wiese und hatten bei aufregendem sonneaufgang einen wunderbaren blick auf den lago atitlan. Birgit verschoss gefühlte 100 bilder. Von denen wir euch eines hier präsentieren:

Nun wurde frühstück gemacht und ich wurde endlich meine letzte verpflegung – den kleinen eimer marmelade – los. Dann gabs den verdienten nachfrühstücksschlaf, bis die sonne brannte. Der steile weg nach unten zum see kam uns noch mal besonders sauer an. Das allerletzte stück nach san pedro wurden wir auf einem offenem pickup transportiert. Der lunch war ausgezeichnet.
Ein kaltes israelisches buffet.

Hier sind wir jetzt für 2 tage. San pedro ist ein backpacker village. Die beiden straßen in der nähe des sees bestehen nur aus hostels, restaurants und shops. Die sprache ist englisch und alles ist sehr billig, verkifft und in laidback-atmosphäre. Entsprechend ist die stimmung – alkohol, sonne und langeweile. Gestern kurz vor mitternacht war hier viel los. Es wurde geknallt und gesoffen. Wir haben uns zurückgehalten und waren zu müde, da mitzuhalten. Kurz nach mitternacht waren wir im bett.

Heute sitzen wir wieder in der israelischen kneipe. Um uns herum wird nur hebräisch gesprochen, wir essen wieder falafel und hummus galore. Für uns eine abwechslung – für die vielen israelis hier wohl kaum. Die schöne stimmung wird nur durch die tinitus erzeugenden kanonenschläge gestört. Damit können die israelis hier offensichtlich auch nichs anfangen.
